Günter Märtens liest am Bunsen-Gymnasium aus seinem Debütroman „Die Graupensuppe“

Beinahe so alt wie die historisch anmutende Tischlampe, die den dunklen Theaterraum alt= beleuchtet, wirkt die Geschichte, die der Autor Günter Märtens den Schülerinnen und Schülern am Bunsen-Gymnasium vorträgt. Sie spielt in Hamburg St. Pauli in den 70er und 80er Jahren. Als Musiker, Schauspieler und neuerdings Autor stellt Günter Märtens sich vor. Authentisch und tragisch-komisch schildert er in seinem autobiografischen Roman „Die Graupensuppe“ die schlimmsten sieben Jahre seines Lebens. Er berichtet darin von seiner jugendlichen Achterbahnfahrt zwischen Sehnsucht, Freundschaft, Verrat und beinahe tödlicher Drogensucht. Die Geschichte beginnt ungefähr 1977, als Märtens im Alter von 18 Jahren heroinabhängig wird. Von seiner Kindheit wird in Rückblenden erzählt. 1984 schafft er den Absprung mithilfe einer Therapie. Seinem Freund Martin, der mittlerweile verstorben ist, gelingt der Ausstieg leider nicht. Beide gemeinsam wollten der tragischen Geschichte ihrer Heroinabhängigkeit einen komischen Faktor entgegenstellen und Märtens schafft es in seinem Roman, ihr gemeinsam begonnenes Vorhaben zum Abschluss zu bringen. Mit seiner lockeren Art und dem trockenen Hamburger Slang gelingt es Märtens, die schwere Kost seiner Story in gerade noch erträglichen Happen zu präsentieren. Dabei hilft ihm und dem Publikum sein Humor. Anders ging es dem Autor mit der Graupensuppe, vor der er als Kind vier Stunden lang sitzen musste, weil er sich weigerte, sie zu essen. Er beschreibt sie als „schleimigen Froschlaich“, eine Metapher für ein autoritäres System, das den Willen des Kindes brechen wollte und ihm damit den „Krieg erklärte“. Nach diesem Erlebnis ändert sich sein Weltbild und er versteht, dass das Leben nicht nur aus Spaß, sondern auch aus Angst besteht. Märtens klagt keinen an und erzählt doch sehr persönlich davon, welche Faktoren letztlich dazu geführt haben, dass er der Heroinschwemme der 70er Jahre nichts entgegenzusetzen hatte. Das Panoptikum an skurrilen Situationen, in die der Protagonist unfreiwillig in den schweren Zeiten zwischen Rausch und Drogenbeschaffung geraten ist, wirkt beinahe surreal. Von überfluteten Wohnungen und Beinahe-Kollisionen mit einem Dampfer auf der Elbe wird da erzählt, von nächtlichen Einbrüchen in Apotheken und einem Schweißgerät, mit dem der Tresor mit der begehrten Ersatzdroge geknackt werden soll. Und immer wieder zieht sich die Musik als Thema durch seinen Roman. Diese „klingende Dimension“, wie er sie in einem Kapitel beschreibt, die zu Beginn der Jugend dazu beitragen sollte „alle Frauen der Welt zu kriegen“, hilft ihm am Ende aus der Sucht. Nach seiner Lesung findet sich Märtens einem begeisterten Publikum gegenüber, das ihm zahlreiche Fragen stellt. Seine Geschichte lässt einen nicht kalt. Ganz ohne zu predigen, schaffe er es, dafür zu sorgen, dass man die Finger in nächster Zeit von härteren Drogen lasse, so eine Schülerin. Mit seinen Schilderungen über das Leben von Süchtigen vor dem Hintergrund eines Deutschlands, das noch stark von den Auswirkungen des verlorenen Krieges geprägt ist, eröffnet Märtens einen erhellenden Blick in eine andere Welt.

Christine Lemke

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